Der erste Monat……

ist rum. Anfang April habe ich mein letztes Bier getrunken. Seitdem habe ich keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken. Und es ist gut……! Es gibt nur wenige Situationen, wo ich denke „jetzt wäre ein Pilsbier schön“. Und das ist dann auch kein „Saufdruck“, wie andere ihn beschreiben, sondern eher eine vage Erinnerung an ein Gefühl; eine emotionale Verknüpfung, die auf subtile Art und Weise bestimmte schöne Anlässe (ein warmer Frühlingsabend in einem schönen Straßencafé, die lustige Runde im Biergarten, der Siegtreffer für meine Lieblingsmannschaft  im Olympiastadion ….) mit dem Genuss / Konsum alkoholhaltiger Getränke verbindet. Über dieses Phänomen der emotionalen Verknüpfung möchte ich später etwas ausführlicher schreiben – ich glaube, dass dieser Aspekt meines Alkoholthemas von großer Bedeutung ist. Ich lese gerade das Buch „Nüchtern betrachtet wars betrunken nicht so berauschend“ von Susanne Kaloff. Sie geht auf diesen Aspekt sehr ausführlich ein – auf eine Art und Weise, die mir sehr entspricht. Ich finde mich in ihren Beschreibungen da sehr gut wieder.

Was ich nach einem Monat schon sagen kann: meine Entscheidung war gut und richtig. Und sie kam zur rechten Zeit. Ich „trauere“ manch schöner Erinnerung nach. Schöne Feste, fröhliche Begegnungen, gesellige Abende, Maßlosigkeit und Leidenschaft an maßlosen, leidenschaftlichen Abenden. Ich erinnere mich aber auch an größere und kleinere Katastrophen, die dem Konsum von Alkohol zuzuschreiben sind und an emotionale Verletzungen und Schmerzen, die ich anderen und auch mir unter Alkoholeinfluss zugefügt habe. Die „Pro & Contra“-Bilanz fällt beim Nichttrinken eindeutig für Pro aus.  Auch hier findet Susanne Kaloff gute Worte:

„Was am Nichttrinken faszinierend ist: dass täglich eine neue Nuance hinzukommt. Man dauernd noch was neues über sich erfährt, was man vorher so noch nicht wusste. Beim Trinken kannte ich alle Schattierungen. Trinken war gut. Neunzig Prozent der Zeit, in der ich trank, war es gut. Ich hatte viel Spaß, zum Teil die beste Zeit meines Lebens mit Alkohol. Es passierte auch nicht immer Mist mit Alkohol, aber wann immer Mist passierte, war garantiert Alkohol involviert. Die zehn Prozent, die nicht gut waren, vermasselten ihn mir. Diese Zahlen könnten auch völlig falsch sein, ich hab es nicht so mit Mathe, denkbar, dass es auch eine Fifty-fifty-Kalkulation war. Vielleicht war auch die Hälfte der Zeit mit Alkohol richtig super und die andere Hälfte fatal. Es spielt aber eigentlich auch gar keine Rolle: Selbst dann, wenn es nur ein Prozent meines Lebens ist, der mich unglücklich macht, ist das ein Prozent zu viel.“

Nachdem ich am 11. April mit diesem Blog online gegangen bin und mein Alkoholthema öffentlich gemacht habe (hier gehts zum allerersten Beitrag….) habe ich unglaublich viel Feedback bekommen. Einige haben  ihn bei Facebook kommentiert, andere (die absolute Mehrheit) haben mir z.T. sehr persönliche Mails oder Direktnachrichten geschickt. Menschen, von denen ich es nicht vermutet hätte, schrieben über ihre eigene Alkoholgeschichte, andere boten mir Hilfe an, wenn ich mal in schwierige Situationen kommen sollte. Ich habe zwei Telefonnummern von Menschen bekommen, die ich kaum kenne – die mir aber anboten, dass ich Tag und Nacht anrufen kann, wenn ich ihre Unterstützung brauche. Und ich spüre und weiss: die meinen das ernst. Noch heute – fast vier Wochen nach dem ersten Blogbeitrag – bekomme ich Nachrichten von Menschen, die den Weg in die Freiheit schon hinter sich haben, ihn – wie ich –  gerade beginnen oder die vorhaben, es mir gleich zu tun. Ich bin zutiefst dankbar und berührt von der Offenheit, dem Vertrauen und der Wertschätzung, die mir so viele Menschen gerade entgegenbringen. Ich glaube, wir werden ein gutes Netzwerk :- ) DANKE dafür. Oder wie wir in meinem Lieblingskloster zu sagen pflegen: „Namaste“.

 

 

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