Fußball und Bier

Am Samstag spielte mein Lieblingsfussballverein gegen den 1. FC Köln und es gab endlich mal wieder einen Heimsieg zu feiern. Feiern und Fußball – das war bisher immer mit Bier verbunden. Mit viel Bier. Der allseits akzeptierte „kalkulierte Rausch“ – wie ein Freund es ausgedrückt hat. Fußball und Bier scheinen zusammen zu gehören. Auf dem Weg ins Stadion begegnet Dir kaum ein männliches Wesen, ohne Bierflasche in der Hand. Die Bierstände vorm und im Stadion sind immer belagert – und in den langen Schlangen vor dem Zapfhahn entwickelt die zwischen-männliche Kommunikation ungeahntes Niveau. Und ich habe das immer geliebt. Vor dem Spiel und nach dem Spiel – und während des Spiels sowieso. Und: es gibt immer einen guten Grund noch ein Bier zu trinken: mal spült man den Frust über die schändliche Niederlage runter, mal feiert man feuchtfröhlich den verdienten Sieg. Und in der Ostkurve feiern sie schon während des Spiels – meistens sich selbst. Der Alkoholpegel beim durchschnittlichen Ostkurvenfan dürfte weit jenseits der medizinisch zulässigen Obergrenze liegen. Und das sieht man den Jungs auch an.

IMG_0391Gestern nun mein erstes Spiel seit Jahren – ohne Bier (oder besser: ohne Alkohol – denn  ein paar alkoholfreie Pils durften / mussten es sein). Mein erster Eindruck: Klasse! ich habe es sehr genossen, nach dem Spiel noch was unternehmen zu können, abends noch was schönes zu machen. Das war bislang anders. (Da war zuhause auf der Couch dann schnell Feierabend). Zweiter Eindruck: Viele Leute (i.d.R. Männer) scheinen nur zum Fußball zu gehen, um sich  mal in Ruhe richtig einen hinter die Binde zu kippen. Ich habe Leute gesehen, die haben während des Spiels mehr Zeit damit verbracht Biernachschub am Stand zu holen als auf ihrem teuer bezahlten Sitzplatz im Stadion das Spiel unserer Hertha zu verfolgen. Dritter Eindruck: Die Leute, die nichts trinken, wirken auf mich sympathischer, heller, wacher, freundlicher. Sie hatten offensichtlich Spaß am Spiel – und viele wirkten so, als hätten sie auch sonst ziemlich viel Spaß am Leben. So stelle ich mir das vor: klar und wach und voller Lebensdurst. Da passt eine benebelte Birne nicht wirklich dazu.

Irgendjemand hat mal gesagt, dass Fußball die moderne Form der römischen Gladiatorenkämpfe sei. Das Volk braucht „Brot und Spiele“. Bier und Fußball.

Bei uns Männern habe ich manchmal das Gefühl, das wir nur beim Fußball (oder vergleichbaren Sportevents) Zugang zu unseren Gefühlen bekommen. Und viele von uns brauchen den Alkohol, um das dann auch auszuhalten. Und dann muss das, was wir da spüren und sehen – Liebe, Freude, Trauer, Sehnsucht, Leidenschaft – auch ganz schnell wieder abgedämpft werden – mit dem nächsten Pils.

Was wäre eigentlich liebe Mit-Männer, wenn wir diese Gefühle alle einfach mal zulassen würden? Ohne Narkose, ohne Abdämpfung. Ohne Betäubung. Vielleicht wäre es erstmal ein bisschen unruhig in und mit uns…… aber vielleicht würden wir dann langsam besser werden. Authentischer, freier, offener, friedlicher, wahrhaftiger. Was denkt Ihr?

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