Jeannette Hagen hat mich auf einen sehr interessanten Blogbeitrag von Selma Kuyas aufmerksam gemacht. Selma Kuyas ist Coach und Bewerbungsexpertin – und sie hat gerade ein Experiment hinter sich: 1 Jahr ohne Alkohol.

Ihre Schlussfolgerungen nach diesem einen Jahr hat sie wie folgt zusammengefasst:

  • „Ich habe neue Lebensstrategien entwickelt und neue Verhaltensmechanismen verinnerlicht.
  • Ich habe (wie bei der Raucherentwöhnung) festgestellt, dass Gedanken so schnell verfliegen wie sie kommen, wenn man sie nur loslässt.
  • Ich habe tolle alkoholfreie Getränke entdeckt.
  • Ich habe gelernt, mich geistig und körperlich auch ohne Alkohol zu entspannen.
  • Ich fühle mich wieder gesund und frisch.
  • Ich habe in diesem Jahr nichts getan oder gesagt, was ich heute bereue.
  • Ich habe einen Lebensplan für die nächsten 20 Jahre entworfen.
  • Ich habe verloren – 7kg  (die Hälfte davon ist der Ernährungsumstellung und dem konsequenten Kieser-Training zuzuschreiben)
  • Ich habe gewonnen – meine Freiheit (vom Alkohol).“

Und noch ein wichtiges Fazit: „Die eigene Komfortzone zu verlassen bedeutet, neue Wege zu entdecken. Kreativ zu werden, sich Dinge auszudenken, wie man bestimmten Herausforderung begegnen kann.“

Ich habe zwar erst etwas über zwei Monate hinter mir – aber ich kann jetzt schon vieles „unterschreiben“, was Selma da an sich selbst beobachtet hat.

Meine (im Moment) wichtigste Erkenntnis nach 9 Wochen Abstinenz: Ich muss viel lernen.  Ich hatte in der Zeit  erst zwei- oder dreimal so etwas wie „Saufdruck“. Nicht schlimm, aber spürbar.  Immer in Situationen in denen ich mich nach Streit mächtig geärgert habe. Das war immer meine Strategie: Ärger runterspülen – jetzt muss ich mich meinen Gefühlen stellen (auch den „schlechten“) und neue Strategien lernen, mit diesen umzugehen….. Das ist das eigentlich Schwierige: Umgang mit bestimmten Situationen, Gefühlen, Stimmungen neu lernen. Und der jüngste bin ich ja auch nicht mehr. Mit 55 fange ich nochmal neu an, Dinge neu zu entdecken, neu zu bewerten, einzuordnen. Anders auf Menschen, Situationen, Probleme, Gefühle und Stimmungen zuzugehen. Ich hatte am Anfang der Abstinenz  das Gefühl, dass ich mit Alk mutiger und forscher war. In den ersten Tagen und  Wochen ohne meine Lieblingsdroge  war ich ziemlich verunsichert und emotional „unstabil“. Mittlerweile stelle ich fest, dass ich mich selbst als „gefestigter“, wahrhaftiger, selbstbewusster wahrnehme. Ich habe komischerweise weniger Angst als vorher…… Den Zusammenhang muss ich mir noch angucken.

Den vollständigen Artikel von Selma Kuya könnt Ihr H I E R lesen!

 

 

 

„Kontrolle ersehnen ist ein Zeichen dafür, dass du die Kontrolle nicht hast. Jeder, der die Kontrolle mit Mühe und Disziplin und Regeln und enormer Kraftanstrengung herbei führen will, ist bereits gescheitert. Und alles, was er jetzt noch tut, ist, ein fortwährendes Scheitern zu managen.“

Lesen!

Dates ohne Drinks

Eine Flasche Rotwein ist nichts für mich im Jahr 2016. Eine Flasche Rotwein, nebenbei zum Gespräch mit meiner besten Freundin, ist eine anständige Menge Wein, danach brauche ich nicht zwingend mehr, wenn ich danach ins Bett gehen kann. Aber wenn mehr da wäre, wäre das auch nicht direkt ein Problem. Bald werde ich auch zwei schaffen. An dem Punkt, an dem ich aufgehört habe, 2017, trank ich, allein zuhause, meistens eine Flasche und zwei Drittel einer zweiten, die am nächsten Morgen eine 0,2-Glas fassende Anstandspfütze enthielt. Keine Ahnung, was ich in den Nächten gemacht habe, in denen ich diese kleinen Weinparties mit mir selbst feierte. Ich plante meist, zu schreiben. Schreiben hatte immer sehr viel mit Wein zu tun, ich romantisierte das Trinken dadurch. Oder ich wollte zeichnen oder meine Wohnung umräumen, endete dann aber ein paar Stunden später im Bett, wo ich mir die Fingernägel lackierte und dabei Zigaretten…

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ist rum. Anfang April habe ich mein letztes Bier getrunken. Seitdem habe ich keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken. Und es ist gut……! Es gibt nur wenige Situationen, wo ich denke „jetzt wäre ein Pilsbier schön“. Und das ist dann auch kein „Saufdruck“, wie andere ihn beschreiben, sondern eher eine vage Erinnerung an ein Gefühl; eine emotionale Verknüpfung, die auf subtile Art und Weise bestimmte schöne Anlässe (ein warmer Frühlingsabend in einem schönen Straßencafé, die lustige Runde im Biergarten, der Siegtreffer für meine Lieblingsmannschaft  im Olympiastadion ….) mit dem Genuss / Konsum alkoholhaltiger Getränke verbindet. Über dieses Phänomen der emotionalen Verknüpfung möchte ich später etwas ausführlicher schreiben – ich glaube, dass dieser Aspekt meines Alkoholthemas von großer Bedeutung ist. Ich lese gerade das Buch „Nüchtern betrachtet wars betrunken nicht so berauschend“ von Susanne Kaloff. Sie geht auf diesen Aspekt sehr ausführlich ein – auf eine Art und Weise, die mir sehr entspricht. Ich finde mich in ihren Beschreibungen da sehr gut wieder.

Was ich nach einem Monat schon sagen kann: meine Entscheidung war gut und richtig. Und sie kam zur rechten Zeit. Ich „trauere“ manch schöner Erinnerung nach. Schöne Feste, fröhliche Begegnungen, gesellige Abende, Maßlosigkeit und Leidenschaft an maßlosen, leidenschaftlichen Abenden. Ich erinnere mich aber auch an größere und kleinere Katastrophen, die dem Konsum von Alkohol zuzuschreiben sind und an emotionale Verletzungen und Schmerzen, die ich anderen und auch mir unter Alkoholeinfluss zugefügt habe. Die „Pro & Contra“-Bilanz fällt beim Nichttrinken eindeutig für Pro aus.  Auch hier findet Susanne Kaloff gute Worte:

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Das mit dem Denken und der Wahrnehmung ist ja so eine Sache. Schlauere Köpfe, als ich ich es bin, haben zahlreiche gute und weise Sprüche rausgehauen. Viele davon haben sich in mein Langzeitgedächtnis eingebrannt. Mein Lieblingsspruch wird Buddha zugeschrieben: „Alles, was wir sind, ist das Ergebnis unseres Denkens.“ Und meine Lieblingsnichte hat heute noch einen drauf gesetzt. Sie treibt viel Sport und ist emsig dabei, ihren Körper zu „optimieren“ – was sie dann auch bei Instagram dokumentiert. Heute hat sie als Bildunterschrift geschrieben: „Es ist der Geist, der sich den Körper baut.“

Ich habe sofort in den Spiegel geguckt und mache mir seither große Sorgen um den Zustand meines Geistes.

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„Absolute Kompromisslosigkeit ist fundamental, wenn man eine Sucht überwinden will. Wenn du einsteigst, erfasst sie unweigerlich alle Lebensbereiche. Was du isst, was du trägst, was du anschaust, mit wem du dich triffst, mit wem du schläfst, wie du deine Zeit verbringst.“

Dates ohne Drinks

Der Designer Rick Owens schläft in einem Bett aus weißem Marmor. Das ist ein bisschen melodramatisch, okay, aber es ist ein Statement, dass ich zu hundert Prozent nachvollziehen kann. I feel you, Rick.

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Am Samstag spielte mein Lieblingsfussballverein gegen den 1. FC Köln und es gab endlich mal wieder einen Heimsieg zu feiern. Feiern und Fußball – das war bisher immer mit Bier verbunden. Mit viel Bier. Der allseits akzeptierte „kalkulierte Rausch“ – wie ein Freund es ausgedrückt hat. Fußball und Bier scheinen zusammen zu gehören. Auf dem Weg ins Stadion begegnet Dir kaum ein männliches Wesen, ohne Bierflasche in der Hand. Die Bierstände vorm und im Stadion sind immer belagert – und in den langen Schlangen vor dem Zapfhahn entwickelt die zwischen-männliche Kommunikation ungeahntes Niveau. Und ich habe das immer geliebt. Vor dem Spiel und nach dem Spiel – und während des Spiels sowieso. Und: es gibt immer einen guten Grund noch ein Bier zu trinken: mal spült man den Frust über die schändliche Niederlage runter, mal feiert man feuchtfröhlich den verdienten Sieg. Und in der Ostkurve feiern sie schon während des Spiels – meistens sich selbst. Der Alkoholpegel beim durchschnittlichen Ostkurvenfan dürfte weit jenseits der medizinisch zulässigen Obergrenze liegen. Und das sieht man den Jungs auch an.

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Am 2. April 2018 habe ich das letzte Mal in meinem Leben Alkohol getrunken.

Ich hatte diesen Vorsatz schon oft gefasst – und es gab auch mehr oder weniger lange alkoholfreie Phasen – aber diesmal spüre ich tief in mir drin eine andere Sicherheit, ein gutes Gefühl. Das hatte ich das letzte Mal vor rund 15 Jahren, als ich das Rauchen eingestellt habe. Nach etlichen erfolglosen Versuchen wusste ich an diesem Tag: Das war die letzte Zigarette meines Lebens (ich war Kettenraucher und habe täglich 30 bis 40 Zigaretten geraucht.) Die Entscheidung war auf allen Ebenen meines Seins klar. Und ich hatte nie wieder das Verlangen eine Zigarette zu rauchen.

So gehts mir gerade mit dem Trinken.

Kurz zu meiner Person und zu meiner Geschichte:

Ich bin Mitte 50, komme aus Berlin. Ich habe überlegt, ob es schlauer wäre, hier unter einem Pseudonym zu schreiben. Das hat Gründe: Aufgrund meiner beruflichen Position kennen mich unglaublich viele Leute, ich stehe oft in der „1. Reihe“ und muss Verantwortung tragen. Viele Leute, mit denen ich zusammen arbeite, gucken sehr genau, was ich tue. Ich bin mir nicht bei allen sicher, ob sie das Wissen über vermeintliche Schwächen und persönliche Offenbarungen nicht irgendwann gegen mich verwenden. Es gibt auch in meiner Branche so einige A****löcher, die sich gern auf Kosten anderer profilieren und sich nicht scheuen auch „unter der Gürtellinie“ zu agieren, wenn es für sie Vorteile verspricht. Und ich habe mir in den letzten Jahren auch so einige Feinde gemact, die sich sicher freuen, wenn sie jetzt mal richtig schön zurückhauen können…..

Aber ich habe mich dann doch dafür entschieden, dieses Risiko einzugehen und meinen Weg hier öffentlich zu machen.

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